Die zirkuläre Natur von Konflikten: Warum wir uns immer wieder im Kreis drehen

Konflikte sind selten linear. Warum sich Teams in Mustern wechselseitiger Verstärkung verfangen – und wie Führungskräfte den Kreis durchbrechen, statt Schuld zu verteilen.

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Frau und Mann streiten sich mit erhobenen Händen vor einer blauen Wand, beide gestikulieren und reden gleichzeitig

Dieser Beitrag basiert auf dem englischen Original "The Circular Nature of Conflict - Why We Keep Going in Circles", veröffentlicht auf Medium. Das englische Original ist hier abrufbar: https://medium.com/@brigitte_pfeifer/the-circular-nature-of-conflict-why-we-keep-going-in-circles-8fe695866628

Wie wir die unsichtbaren Muster durchbrechen, die unsere Arbeitsbeziehungen erschweren.

Konflikte wirken oft sehr einfach. Jemand handelt oder reagiert auf eine bestimmte Art und wir erzählen uns Geschichten wie: "Sie hat angefangen" oder "Ich habe doch nur darauf reagiert, was er getan hat."

Blickt man hinter die Kulissen, merkt man, dass menschliche Interaktion selten geradlinig verläuft. Tatsächlich sind sogar die meisten Konflikte zirkulär, sprich: ein Muster wechselseitiger Verstärkung, die beide Seiten gefangen halten. Jede Handlung löst eine Reaktion aus, die wiederum die nächste befeuert. Mit der Zeit wird dieser unsichtbare Kreislauf stärker als die ursprüngliche Absicht der Beteiligten.

Das Muster hinter dem Streit

Stellen Sie sich vor: Eine Mitarbeiterin zieht sich zurück, weil sie sich nicht gehört fühlt. Ihre Führungskraft bemerkt die Distanz, deutet sie als mangelndes Engagement und beginnt häufiger nachzufragen. Diese vermeintlich zusätzliche Kontrolle führt dazu, dass sich die Mitarbeiterin noch weiter zurückzieht. So schließt sich der Kreis. Von außen mag es nach reduzierter Motivation der Mitarbeiterin oder nach dem Führungsstil des Vorgesetzten aussehen. Darunter liegt jedoch ein ganzes System von Interaktionen: jede nährt die andere und hält die Spannung ungewollt aufrecht.

Lineares Denken in einer zirkulären Welt

Die meisten Organisationen verlassen sich noch immer auf die lineare Logik: Ursache -> Wirkung. Etwas passiert, wir führen es auf eine einzelne, vermeintlich "ganz klare" Ursache zurück und beheben sie. So funktionieren aber menschliche Systeme leider nicht. Wenn Sie denken: "Ich könnte mich ändern, aber es bringt nichts, weil ja die andere Person das Problem ist" - dann sehen Sie die Welt als gerade Linie.

Zirkuläres Denken verschiebt den Fokus, denn es fragt:

  • Wie prägt mein Verhalten die Reaktion der anderen Person?
  • Welche meiner Handlungen bestätigen womöglich genau das Muster, dem ich entkommen möchte?

Zirkuläres Denken heißt nicht geteilte Schuld

Konflikte als kreisförmig zu sehen, hat nichts mit Schuld zu tun, sondern mit Einfluss. Alle in einem System tragen dazu bei, was geschieht. Das bedeutet aber auch gleichzeitig: Alle haben die Möglichkeit, es zu verändern.

In dem Moment, in dem Sie erkennen, dass Sie Teil der Schleife sind, können Sie entscheiden, wo Sie sie unterbrechen. Vielleicht, indem Sie anders reagieren? Indem Sie neugierig statt defensiv sind? Möglicherweise auch, indem Sie ein Gespräch beginnen, in dem es nicht darum geht, wer recht hat, sondern darum, was zwischen uns passiert.

Den Kreis durchbrechen

Um zirkuläre Konfliktmuster zu durchbrechen, braucht man die Bewusstheit darüber, was gerade passiert. Wenn Ihnen eine Dynamik auffällt, die sich immer wiederholt, fragen Sie sich:

  • Was passiert zwischen uns und nicht nur in mir oder mit der anderen Person?
  • Welche Bedeutung gebe ich gerade dem Verhalten und was könnte es sonst noch bedeuten - bis hin zu: was sagt es über mich aus?
  • Wie würde ich reagieren, wenn ich annehmen würde, dass mich mein Gegenüber nicht verletzen, sondern etwas Wichtiges schützen will - nämlich sich selber, ihre Arbeit oder ihre Werte?

Dieser Wechsel von Schuldzuweisung zu Neugier kann regelrecht entwaffnend sein - und wirksam! Er bedeutet nicht, dass Sie der anderen Person zustimmen, er bedeutet nur, dass Sie lange genug aus dem Kreis heraustreten können, um ihn zu sehen.

Konflikt als lebendiges System

Ein Konflikt ist kein Fehler in menschlichen Systemen. Nein, er ist ein Zeichen von Bewegung, Energie und Emotion. Wer ihn durch eine zirkuläre Linse betrachtet, hört auf zu fragen: "Wer hat angefangen?" und beginnt stattdessen zu fragen: "Was erschaffen wir hier gerade gemeinsam?"

Erst dann ist eine echte Veränderung möglich, denn in jedem Kreis gibt es einen Punkt, an dem er durchbrochen und erneuert werden kann - sofern das die Parteien wirklich wollen.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Das ist der Punkt, an dem ich normalerweise dazukomme. Arbeiten mit mir →